Edukids

Edukids ist das Schulungsprogramm für pädagogische Fachkräfte, die Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1 in der Schule betreuen. Es wird unterstützt durch die Deutsche Diabetes-Stiftung.

Erfahren Sie alles Wichtige zum Edukids-Projekt der Charité – Universitätsmedizin Berlin auf dieser und den Unterseiten:

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Aktuelle Meldungen vom Edukids-Projektteam

Das Team möchte Sie auf den Artikel in "Diabetes aktuell", Ausgabe 03/2016 auf Seite 114 aufmerksam machen:

Das Arbeitsbuch ist jetzt im Buchhandel verfügbar:

Titel: Edukids-Arbeitsbuch
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-74184-392-1
Format: DIN A4 hoch
Seiten: 24
Erscheinungsdatum: 28.08.2016
Preis: 10,00 Euro

Der Preis setzt sich aus den Material- und Produktionkosten zusammen.

Pro Buch wird 1,00 Euro an den BABELUGA e.V. gespendet.

Was ist Edukids?

Edukids ist ein patientenbezogenes Inhouse-Schulungsprogramm für alle pädagogischen Fachkräfte, die Kinder mit Typ-1-Diabetes in der Schule betreuen.

Das Schulungsprogramm soll von Diabetesberaterinnen und Diabetesberatern sowie Diabetologinnen und Diabetologen verwendet werden. Warum? Um pädagogischen Fachkräften innerhalb von 90 bis 120 Minuten strukturiert das notwendige Wissen zur Betreuung des Kindes mit Diabetes Typ 1 nachhaltig zu vermitteln.

Welche Ziele verfolgt das Edukids-Projekt?

Durch ein inhaltlich und gestalterisch hochwertiges 90- bis 120-minütiges Schulungsprogramm sollen pädagogische Fachkräfte effektiv und nachhaltig Wissen über Diabetes mellitus Typ 1 und Handlungskompetenzen im Rahmen der ärztlichen und elterlichen Empfehlungen erwerben.

Dank des erworbenen Wissens sollen Erzieher, Lehrer, Schulhelfer u.Ä. sicherer im Umgang mit Typ-1-Diabetes werden.

Mithilfe der erworbenen Handlungskompetenzen soll die Inklusion von Kindern mit Typ-1-Diabetes in der Regelschule gefördert werden.

Diabetesberater und Diabetesberaterinnen, die das Schulungsprogramm nutzen, sollen strukturiert, gezielt und sicher Informationen an pädagogische Fachkräfte vermitteln können.

Mit einer optimierten Umsetzung der Diabetestherapie am Ort Schule soll eine bessere Unterstützung der Erziehungsberechtigten durch die behandelnden Diabeteszentren für Kinder und Jugendliche erreicht werden.

Das Konzept und die Inhalte des Schulungsprogramms sollen durch die Strukturierung, die Train-the-Trainer-Seminare und eine umfangreiche Evaluation zur Qualitätssicherung von Diabetesschulungen in Grundschulen beitragen.

Wo kann ich die Edukids-Materialien bekommen?

Das Edukids-Material erhalten Sie in der Evaluationsphase ausschließlich im Train-the-Trainer-Seminar.

Diese Seminare finden im Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche DDG am Charité Campus Virchow-Klinikum statt (aktuell eine Veranstaltung?).

Edukids-Schulungsthemen

  • Krankheitsbild
  • Grundlagen Kohlenhydratstoffwechsel
  • Besondere Bedürfnisse von Kindern mit Diabetes in der Schule
  • Blutzuckernormwerte und Blutzuckermessung
  • Insulintherapie
  • Ernährung
  • Broteinheiten und Kohlenhydrateinheiten
  • Insulinberechnung
  • Unterzuckerung
  • Ursachen, Symptome, Behandlung für Unterzuckerung
  • Schwere Unterzuckerung
  • Verhalten bei Sport und Schwimmen
  • Überzuckerung
  • Ursachen, Symptome, Behandlung für Überzuckerung
  • Ausflüge, Feste und Feiern
  • Übungen
  • Inklusion in der Praxis

Didaktisches Konzept

Zugrundeliegendes didaktisches Modell

Dem dargestellten Schulungsprogramm liegt das bildungstheoretische Modell nach Wolfgang Klafki zugrunde.

Wolfgang Klafki wurde 1927 in Augsburg geboren. Er ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und war bis 1992 Professor in Marburg. Die Ausgangsfrage in Klafkis bildungstheoretischem Modell ist die Frage: "Welche Bedeutung haben die Inhalte der Kultur für die Bildung des Einzelnen?"

Im didaktischen Mittelpunkt steht die didaktische Analyse des Bildungsinhaltes. Die Kernfrage, die der oder die Lehrende vorüberlegen muss, ist, ob der Inhalt für den einzelnen Empfänger von Bedeutung ist: Welcher Bildungsaspekt steckt im Unterrichtsinhalt? Diese Herangehensweise hat sich im Zuge der Reformpädagogik 1963 entwickelt und beschäftigt sich im Kern mit der Frage "Hat es Sinn oder nicht?".

Die Frage nach einer fruchtbaren Begegnung zwischen Lernenden und Lerngegenstand zielt auf die Legitimation des Letzteren.

Gegliedert ist die didaktische Analyse durch fünf Punkte:

  1. neben der Zugänglichkeit und
  2. thematischen Strukturierung durch den zentralen Begriff der "Bedeutung":
  3. Gegenwartsbedeutung,
  4. Zukunftsbedeutung und
  5. exemplarische Bedeutung.

1. Zugänglichkeit

"Die visuelle Sprache … wird aus dem weltweiten Bedürfnis der Menschen geboren, sich mit komplexen Ideen zu beschäftigen, die nur schwer mit Text alleine ausgedrückt werden können."
Robert E. Horn

Visualisierung kann in vielfältiger Weise Lern-, Dialog- und Veränderungsprozesse unterstützen. Im Edukids-Schulungsprogramm werden die eigens für das Programm angefertigten Illustrationen von Designerin Jenni O. Keppler genutzt. Damit soll die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden für die verschiedenen Aspekte der Diabetestherapie in der Schule gewonnen werden.

Je mehr Kanäle beziehungsweise "Sinne" bei der Informationsaufnahme gleichzeitig angesprochen werden, desto eher werden Informationen behalten: Die Sinnesorgane nehmen Informationen auf, die im Gehirn verarbeitet und gespeichert werden. Je nach Qualität der Informationen speichert der Mensch diese im Kurzzeitgedächtnis, Ultrakurzgedächtnis oder Langzeitgedächtnis ab.

Wie lange eine Information gespeichert wird, hängt nicht nur von deren Wichtigkeit ab, sondern zunächst davon, wie die Information überhaupt erst in das Gehirn gelangt ist.

Bei der Wahrscheinlichkeit des Behaltens von Informationen werden unterschieden (Informationsaufnahme: Wahrscheinlichkeit des Behaltens):

  • selbst machen: 90 Prozent,
  • nacherzählen bzw. erklären: 70 Prozent
  • hören und sehen: 50 Prozent,
  • sehen: 30 Prozent,
  • hören: 20 Prozent.

Im Edukis-Programm wird ein optimaler Wissenstransfer vorbereitet

  • durch die Erklärung der Diabetesberaterinnen und Diabetesberater,
  • die Verstärkung durch die passgenauen Illustrationen,
  • die praktischen Übungen mit Messgerät und Insulin-Applikatoren,
  • das Notieren der wichtigen Grenzwerte und nötigen Handlungen im Arbeitsbuch sowie
  • die Sicherungen durch die Fallbeispiele.

Eine Fähigkeit nimmt zu, wenn jemand sie immer wieder anwendet beziehungsweise das Wissen festigt sich, wenn man es kontinuierlich vermehrt. Um das zu gewährleisten, ist unter anderem eine gute und direkte Kommunikation mit den Erziehungsberechtigen notwendig sowie eine kontinuierliche Abstimmung der an der Betreuung beteiligten pädagogischen Fachkräfte.

2. Thematische Strukturierung

Auf der Grundlage des Wissens der pädagogischen Fachkräfte werden die biologischen Grundlagen des Kohlenhydratstoffwechsels sowie das Entstehen und die Auswirkungen von Diabetes mellitus Typ 1 besprochen.

Nach der Differenzierung zum Diabetes mellitus Typ 2 wird die grundlegende Notwendigkeit der Insulintherapie und deren Anwendung in der Schule besprochen.

Es folgen die Ernährungsempfehlungen. Auch hier wird auf das Vorwissen der pädagogischen Fachkräfte zurückgegriffen, und es werden Erfahrungen in der Betreuung von Kindern mit anderem sonderpädagogischen Förderbedarf berücksichtigt.

Anhand des Schulablaufs und des Tagesablaufs des Schülers, der Schülerin werden exemplarisch Situationen wie Hypo- und Hyperglykämien und das Verhalten bei Sport besprochen. Die besprochenen Situationen werden inhaltlich nach Symptomen, Ursachen und Behandlung erörtert.

Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin erhält ein Arbeitsbuch. Darin werden Verlauf des Seminars Grenzwerte und Empfehlungen notiert.

Zur Ergebnissicherung werden verschiedene Fallbeispiele genutzt.

Zum Abschluss werden die gemeinsamen Ergebnisse inklusive aller grundlegenden Empfehlungen und Vereinbarungen im Formular "Diabetesplan" zusammengefasst.

3. Exemplarische Bedeutung

Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland 15.600 bis 17.400 Kinder und Jugendliche im Alter von null bis 14 Jahren mit einem Typ-1-Diabetes (vgl. Rosenbauer et al. 2013 EK III). Gegenüber den frühen 1990er-Jahren hat sich die Neuerkrankungsrate für Null- bis 14-Jährige zwischenzeitlich verdoppelt und liegt aktuell bei 22,9 Prozent (vgl. Neu et al. 2013).

Bei allen gängigen Therapieformen sind täglich mindestens vier Therapieinterventionen mittels

  • Blutzuckermessungen,
  • Berechnen der Kohlenhydratmenge und
  • Verabreichen des Insulins durch Pumpe, Spritze oder Pen notwendig.

Diese Therapieinterventionen sind bei jeder Mahlzeit und ein Teil zusätzlich bei sportlicher Aktivität notwendig, in der Regel mindestens zweimal während des Schultages.

Besonders problematisch ist dies kurz nach der Einschulung eines an Diabetes erkrankten Kindes. Denn der Betreuungsschlüssel nimmt von der Kindertagesstätte zur Schule sprunghaft ab. Durch die knappen personellen und strukturellen Ressourcen ist die uneingeschränkte Teilnahme an allen schulischen Aktivitäten u.a. von Kindern mit Diabetes mellitus gefährdet.

Das Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention in puncto Inklusion, d.h. Menschen mit Behinderungen die vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, soll auch für die Bildung umgesetzt werden.

Inklusion ist in der Gesellschaft ein langer Prozess, der in vielen Bereichen ein Umdenken aller Menschen erfordert.

4. Gegenwartsbedeutung

Die Zielgruppe der pädagogischen Fachkräfte hat in aller Regel, z.B. während der Ausbildung oder des Studiums, bereits an umfangreicher Wissensvermittlung in den Bereichen Ernährung, Anatomie und Physiologie partizipiert.

Insbesondere diese Vorkenntnisse sollen aufgegriffen und wiederholt werden. Sie dienen als "Anschlussstelle" für das Wissen um die Pathologie des Diabetes mellitus Typ 1 und die daraus resultierenden Verhaltens- und Betreuungsempfehlungen.

Häufig haben die pädagogischen Fachkräfte auch außerhalb des schulischen Bereiches schon Berührungspunkte mit Menschen mit Diabetes mellitus, allerdings aufgrund der Prävalenz häufiger mit Diabetes mellitus Typ 2. Hier muss im Schulungsverlauf eine klare Differenzierung der beiden unterschiedlichen Krankheitsbilder und Therapieempfehlungen erarbeitet werden.

Das gemeinsame Ziel von Schulen, Schulämtern, Eltern und pädagogischen Fachkräften ist es, für die Kinder ein optimales Lernen zu ermöglichen. Dieser gemeinsamen Zielstellung kann nur entsprochen werden, wenn Kinder mit Diabetes ihre gesundheitserhaltende Therapie auch in der Schule sicher umsetzen können.

5. Zukunftsbedeutung

Bisherige Klassenstrukturen mit überwiegend homogenen Lerngruppen werden im inklusiven Schulsystem bald der Vergangenheit angehören: Statt Kinder nach intellektuellen Fähigkeiten und Lernpotenzialen zu trennen, entstehen heterogene Klassen, in denen die Vielfalt der individuellen Begabungen wertgeschätzt und als normal empfunden werden wird.

Inklusive Bildung heißt unter anderem, dass alle Schülerinnen und Schüler ganzheitlich, d.h. mit all ihren Stärken, Schwächen und je individuellen Förderbedürfnissen wahrgenommen und akzeptiert werden sollen.

Diese grundlegend veränderte Ausgangslage erfordert auch von den pädagogischen Fachkräften ein Basiswissen über den zusätzlichen Förderbedarf von Kinder mit Diabetes mellitus, um eine Unterrichtsteilnahme überhaupt ermöglichen zu können.

Eine adäquate Behandlung des Typ-1-Diabetes ist bei Kindern in der Grundschule unter Berücksichtigung der Schulpflicht nur möglich, wenn die Schule als Institution und die pädagogischen Fachkräfte als Einzelpersonen die Kinder und deren Erziehungsberechtigte bei der Therapieumsetzung unterstützen.

Bei rund 20 bis 30 Unterrichtsstunden pro Woche, aufsteigend von Klasse eins bis sechs, sind häufig eine bis fünf Therapieinterventionen exklusive Sport- oder Schwimmunterricht in der Begleitung durch geschultes Personal erforderlich.

Erfolgt keine oder wenig Unterstützung ist gerade im Grundschulbereich eine massive Überforderung und eine hohe Stressbelastung der an Diabetes erkrankten Schülerinnen und Schüler zu befürchten und damit auch eine ungünstigere Prognose bezüglich HbA1c und Krankheitsakzeptanz (vgl. "Evidenzbasierte Leitlinie – Psychosoziales und Diabetes mellitus", Hrsg.: Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsches Kollegium Psychosomatische Medizin, Stand Mai 2003, Herpertz et al.; Seite 8).

Die daraus resultierenden physiologischen Folgen wie verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit können die schulische Laufbahn nachhaltig beeinflussen. Auch die psychosozialen Aspekte von nicht gelungener Inklusion des Kindes mit Diabetes mellitus Typ 1 kann die Lernmotivation zusätzlich mindern.

Somit ist eine Unterstützung von Schülern bei der Diabetestherapie nicht nur für den Erkrankten selbst von hoher Bedeutung, sondern auch ein wichtiger sozioökonomischer Faktor.