Diabetes

Die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist eine von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft anerkannte Behandlungseinrichtung und deutschlandweit eines der größten Zentren für Kinder und Jugendliche mit Diabetes.

Das Klinikteam informiert hier über:

  • Diabetes (Typ 1 und Typ 2)
  • seltene Diabetesformen
  • Kongenitaler Hyperinsulinismus (KHI) und unklare Hypoglykämien

Sie befinden sich hier:

Um die betroffenen Kinder- und Jugendlichen und ihre Familien optimal zu behandeln, arbeitet das Klinikteam interdisziplinär und in enger Vernetzung mit anderen kinder- und jugendmedizinischen Fachbereichen wie Gastroenterologie Neuropädiatrie oder Psychosomatik zusammen.

Zum Leistungsspektrum zählen:

  • eine ambulante und stationäre Therapie nach den aktuellen Leitlinien
  • ein interdisziplinäres Team aus: Fachärzten und Fachärztinnen für Kinderendokrinologie und Kinderdiabetologie, Diabetesberater und Diabetesberaterinnen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -therapeutinnen, Kinderkrankenpfleger und Kinderkrankenpflegerinnen sowie Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen
  • durch eine Kooperation mit der Inneren Medizin optimaler Übergang in die "Erwachsenenmedizin", damit für Jugendliche keine Versorgungslücke entsteht
  • Schulungen durch zertifizierte Diabetesberaterinnen und Diabetesberater im ambulanten und stationären Bereich
  • eine umfassende psychosoziale Betreuung
  • eine Behandlung mit den neuesten Insulinpumpensystemen und Glukosesensorsystemen
  • auch eine Vermittlung von Kontakten zu anderen Betroffenen, Familien, Patientenorganisationen und entsprechenden Selbsthilfeinitiativen

Für betroffene Kinder mit Diabetes und deren Familienangehörige werden neben der medizinischen Diagnostik und Behandlung zahlreiche Aktivitäten und Projekte für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen angeboten.

Wissenschaftliche Forschungsprojekte der pädiatrischen Diabetologie mit dem Ziel, die körperliche Gesundheit der Kinder zu erhalten und Heilungsperspektiven für Diabetes bei Kindern zu entwickeln, werden unter anderem durch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft und das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG/BIH) gefördert und unterstützt.

Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist die im Kindes- und Jugendalter häufigste Diabetesform. Ursächlich ist eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem die körpereigenen insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Die Folge ist ein absoluter Insulinmangel.

Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das für den Transport des mit der Nahrung aufgenommenen Zuckers aus dem Blut in die Muskel- und Fettzellen verantwortlich ist. Ein Insulinmangel führt daher zu einem starken Anstieg des Blutzuckers und gleichzeitig zu einer Unterversorgung der Körperzellen. Daher benötigen Menschen mit Diabetes Typ 1 eine lebenslange Therapie mit Insulininjektionen oder einer Insulinpumpe.

Durch moderne Therapien und Hilfsmittel ist es inzwischen möglich, den Insulinbedarf individuell an den Alltag und die Ernährungsgewohnheiten des Patienten beziehungsweise der Patientin anzupassen. Weiterhin kann durch den Einsatz von Sensoren der Glukoseverlauf kontinuierlich überwacht werden.

Warnzeichen für Diabetes Typ 1 sind:

  • häufiges Wasserlassen
  • verstärkter Durst
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Leistungsminderung
  • Müdigkeit
  • Bauchschmerzen
  • obstähnlicher Geruch in der Atemluft

Werden diese oder ähnliche Symptome bei einem Kind bemerkt haben, ist eine dringende Vorstellung beim behandelnden Kinderarzt empfehlenswert.

Diabetes Typ 2

Diabetes Typ 2 ist die weltweit in der Gesamtbevölkerung am häufigsten auftretende Diabetesform, jedoch im Kindesalter selten. Hier liegt eine Resistenz gegen das körpereigene Insulin vor. Darum kann es nicht ausreichend wirken.

Zu den Ursachen zählen Übergewicht, Bewegungsmangel und schlechte Ernährungsgewohnheiten. Somit lässt sich der Entstehung eines Diabetes Typ 2 im Kindesalter durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung vorbeugen. Weitere Informationen finden Sie bei der Deutschen Diabetes-Hilfe.

Seltene Diabetesformen

Neben den oben genannten Varianten Diabetes Typ 1 und Typ 2 existieren seltene Diabetesformen. Zu diesen seltenen Erkrankungen gehört beispielsweise der MODY (Maturity-Onset-Diabetes of the Young), der autosomal-dominant vererbt wird. Diese Diabetesform beruht auf einem genetischen Defekt der insulinproduzierenden Zellen.

Tritt Diabetes in einer Familie gehäuft auf und passt der Krankheitsverlauf des Kindes nicht zu einem der oben beschriebenen Diabetestypen, zum Beispiel durch einen schleichenden Erkrankungsbeginn oder das Fehlen von Autoantikörpern, kann ein genetischer Test weiteren Aufschluss geben.

Zu anderen, seltenen Diabetesformen gehören:

  • neonataler Diabetes
  • monogenetische Diabetesformen (MODY) = familiärer Diabetes
  • Diabetes bei anderen Erkrankungen wie zystische Fibrose, Syndrome oder nach onkologischer Erkrankung und Behandlung

Kongenitaler Hyperinsulinismus (KHI) und unklare Hypoglykämien

In seltenen Fällen treten aufgrund einer Funktionsstörung der insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse bereits bei Neugeborenen bleibende Unterzuckerungen auf.  Diese können die geistige und körperliche Entwicklung bedrohen.

Da diese Fälle oft direkt nach der Geburt auftreten und es nur wenige hochspezialisierte Zentren gibt, können sich Kollegen und Familien in dieser schwierigen Phase telefonisch Kontakt aufnehmen mit der Kinderklinik für Endokrinologie und Diabetologie:

+49 30 450 566 352

Um für die Patienten eine optimale Therapie zu finden und die Zeit im Krankenhaus so kurz wie möglich zu halten, steht die zentral wichtige Lokalisationsdiagnostik mit spezialisierten nuklearmedizinischen Tracern im PET/CT zur Verfügung. Das Klinikteam bringt zudem umfangreiche Erfahrung (mehr als 200 Fälle) in Bezug auf alle medikamentösen und chirurgischen Behandlungsformen mit.

Bei älteren Kindern können ebenfalls schwere Unterzuckerungen auftreten, beispielsweise durch insulinbildende Tumoren. Auch hier steht das gesamte Spektrum der biochemischen und bildgebenden Diagnostik zur Verfügung, um zügig zur Diagnose und einer passenden Behandlung zu kommen.

Zum Leistungspektrum gehören:

  • komplette Diagnostik und Betreuung von Neugeborenen mit Hypoglykämien (Dauer > 5 Tage)
  • spezialisierte Labordiagnostik und Durchführung des Fastentests
  • Durchführung der Lokalisationsdiagnostik mit 18F-DOPA-PET/CT zur Differenzierung von fokalen und nicht-fokalen Formen des KHI
  • spezialisierte molekulare Bildgebung (PET/CT) zur Lokalisation von insulinbildenden Tumoren (Insulinom, NET)
  • medikamentöse Einstellung von Patienten mit kongenitalem Hyperinsulinismus (auch Studien mit neuen Therapieverfahren)
  • interdisziplinäre Behandlung von Ess- und Fütterstörungen bei KHI, zum Beispiel mit Psychologie und Logopädie
  • ambulante Langzeitbetreuung von Patienten und Familien mit KHI im erfahrenen Team aus den Bereichen Psychologie, Therapie, Sozialarbeit und Pflege
  • chirurgische Therapie des Kongenitalen Hyperinsulinismus (fokal und diffus) unter Einsatz neuester Verfahren wie Radioguided Surgery und Theranostic
  • telefonische Beratung von Kollegen in externen Einrichtungen und Mitbetreuung von Patienten zur Vor-Ort-Versorgung

Geschichte und Entwicklung des Diabetes

Die Geschichte der Stoffwechselkrankheit Diabetes Mellitus beginnt bereits in der Antike.
Das älteste Dokument, das die Krankheit belegt, wurde in Form einer Ägyptischen Schriftrolle gefunden. Der Papyrus Ebers, stammt aus dem Zeitraum um 1500 vor Christus!